Unsinnerkennungshilfe

Dies ist die Informationsseite zu unserem Lesezeichen „Unsinnserkennungshilfe“, sie ist jedoch auch unabhängig davon zu benutzen um herauszufinden ob man gerade Unsinn erzählt oder verkauft bekommt, falls Du gerade kein Lesezeichen hast. Jeden Tag strömen Viele Ideen auf einen ein, darunter ist zwangsläufig auch viel Unsinn. Daher gilt für jeden Tag: Am besten ich bilde mir meine Meinung selbst!

Wir wollen euch hier nicht fertige Meinungen vorkauen, sondern euch ein Gerüst an die Hand geben, selbst zu entscheiden, ob dass, was man euch erzählt Unsinn ist oder nicht. Ganz egal ob es jetzt um ein „Wundermittel gegen Erkältung“, „Leben auf dem Mars“ oder die „Auferstehung von Toten“ geht. Das ganze ist in Alltagssprache abgefasst, damit es verständlich ist. Es vereinfacht und fasst zusammen, wo man im Alltag zusammenfassen kann, um für Jedermann/Frau anwendbar zu sein. Falls ihr trotzdem irgend wo dringend Differenzierungsbedarf seht, Anmerkungen habt oder euch ein besseres Beispiel einfällt lasst es uns wissen!

Fragen die ich mir stelle

Ein kleiner Katalog Fragen die man meist mehr oder weniger schnell durchexerzieren kann, auch ohne ein Experte auf dem Gebiet zu sein. Im Text findest Du externe Links zu den jeweiligen Punkten, in unserer Link- und Leseliste wirst Du sicher auch fündig.

Ist die Quelle der Behauptung zuverlässig?

Hier muss man sich mehrere Unterfragen stellen:
Woher kommt die Behauptung die wir überprüfen wollen? Wurde sie uns von einem Freund erzählt, von dem wir wissen, daß er besonders kritisch Fakten prüft, bevor er Sie weiter erzählt oder von einem Bekannten, der jede Woche mit einer „neuen verrückten Idee“ angerannt kommt? Letzteres sollte uns skeptisch machen.

Wie ist die Quelle qualifiziert, was das bewerten dieser konkreten Behauptung angeht? Handelt es sich um einen promovierten Wissenschaftler, der aktiv auf dem Gebiet der Behauptung an einer angesehenen Universität unabhängige Forschung in genau diesem Gebiet betreibt oder hat die Quelle der Behauptung einen gekauften „Hochschulabschluss“ von einer offensichtlichen Titelmühle oder nicht mal den auf dem Gebiet, um das es sich bei der Behauptung dreht? (siehe auch: Autorität ist kein Argument, weiter unten). Letzteres sollte uns zumindest den Zweifel erlauben dass die Quelle besonders qualifiziert ist etwas zur Behauptung zu sagen.

Wie ist die Vorgeschichte der Quelle? Handelt es sich um einen seriösen Wissenschaftler guter Reputation der sich schon öfter zum Thema der Behauptung geäußert hat und damit recht behielt oder handelt es sich um eine windige Gestalt, bekannt für ihre verschobenen Ideen, die schon wegen Betrug (verkauf von „Wundermitteln“ an alte Leute) im Gefängnis saß? Letzteres sollte uns sehr, sehr vorsichtig machen und es bringt uns zum nächsten Punkt:

Wer hat einen Vorteil von der Behauptung?

Hat jemand – vielleicht sogar die Quelle der Behauptung selbst – einen Vorteil davon, das zu behaupten? Offensichtliche Vorteile sind z.B. Geld, aber auch auf subtilere Vorteile wie Macht über die Menschen zu bekommen oder einer Verfolgung zu entkommen sollte man achten.

Handelt es sich um eine Behauptung die für die Quelle neutral ist, als die Quelle hätte es nicht sagen müssen / es ist für die Quelle selbst egal? Handelt es sich um offensichtlich negative Folgen (Imageverlust, finanzielle Verluste, …) für die Quelle, so daß wir davon ausgehen können das die Behauptung der Quelle aus nicht egoistischen Gründen wichtig ist?

Oder handelt es sich um eine Behauptung, von der die Quelle direkt Einnahmen zu erwarten hat, die von der Quelle genutzt werden kann um Macht zu erlangen? Stimmabgabe bei einer Wahl oder Kaufentscheidungen zu beeinflussen? Ruft die Quelle vielleicht sogar zu Gewalt auf, um ein politisches Ziel zu erreichen, sich aber nicht selbst die Hände schmutzig zu machen? In solchen Fällen sollten alle Alarmglocken läuten!

Sind die Fakten vollständig dargestellt?

Hat die Quelle (oder jemand, von der die Quelle der Behauptung Informationen bezieht) so gut es möglich ist alle Fakten dargestellt, oder wurde gezielt Information unterschlagen? Nur ganz selten ist im „echten Leben“ etwas vollkommen Widerspruchsfrei.

Legt die Quelle Fakten für und gegen die Behauptung vor ohne einen Argumentationsfehler zu begehen (siehe unten: Keinen Beweis liefern…) und legt schlüssig dar, warum die Behauptung die richtige Schlussfolgerung ist und handelt es sich tatsächlich um überprüfbare Fakten?

Oder hat die Quelle einen für sie ungünstigen Teil der Fakten unterschlagen, beruft sich auf längst widerlegte Fakten oder hat die eigenen Fakten frisiert und zu ihrem Vorteil dargestellt? In einem solchen Fall kann man schon fast direkt aufhören sich mit dem Unsinn … Entschuldigung, der Behauptung zu beschäftigen. Checkliste zum überprüfen von Statistiken.

Widerspricht eine andere Quelle?

Gibt es andere Quellen die der Behauptung widersprechen? Eigentlich gibt es immer andere Quellen die eine Behauptung widersprechen, aber: Wie sind diese hinsichtlich Zuverlässigkeit und Vorteilen von der Behauptung einzuschätzen?
Handelt es sich um angesehene Wissenschaftler auf dem Gebiet der Behauptung, die durch Ihren Widerspruch nichts gewinnen, aber sich einmischen, weil es derart gegen die Faktenlage ist, was behauptet wird, dass sie es nicht so stehen lassen können?
Oder handelt es sich um direkt betroffene einer Behauptung, die etwas zu verlieren haben, keinerlei Faktenwissen auf ihrer Seite aufweisen können und als bloße Schutzbehauptung ihrer eigenen Idee widersprechen um des Wiedersprechens willen? Womit wir beim nächsten Punkt zum Thema Fakten sind:

Worauf deutet das Übergewicht der Fakten?

Einzelne Fakten allein beweisen noch keine Behauptung (vor allem wenn sie unvollständig sind, s.o.). Wir müssen also abwägen, welche Fakten für oder gegen eine Behauptung sprechen und wie schwer diese ins Gewicht fallen. Das ist manchmal nicht ganz einfach oder gerade zu unüberschaubar.

Einen schnellen Anhaltspunkt liefert uns jedoch, ob die Fakten zur Behauptung etwas sehr umfassend belegen (oder angreifen) oder ob es sich nur um einen einzelnen oder sehr wenige Punkte handelt. Ein einziges Merkmal, eines einzigen Tieres beispielsweise, daß nicht auf Anhieb mit der Evolutionstheorie erklärt werden kann widerlegt nicht die Evolutionstheorie an sich, da diese durch zahllose andere Beobachtungen im Labor, im heute Lebenden Tierreich und in den Fossilien bestätigt wird. Ein solches Fakt zeigt zwar einen Klärungsbedarf auf, ist aber für sich allein noch kein Beweis für eine andere Behauptung (siehe nächster Absatz).

Erklärt die Behauptung mehr als konkurrierende?

Kritik an einer Behauptung und widersprechende Fakten machen diese zwar unglaubwürdiger, aber belegen noch nicht eine eigene Behauptung! Eine bessere Theorie oder Behauptung muss immer mindestens so viel erklären wie die konkurrierende und zusätzlich weitere Fakten haben durch die sie besser gestützt ist als eine andere Theorie oder Behauptung. Ist eine Behauptung nicht elegant und macht mit seiner Erklärung alles komplizierter, ist Skepsis angesagt.

Erklärt die Behauptung beispielsweise die gesamte klassische Mechanik in der Physik und zusätzlich vorher unerklärbare Phänomene wie Dopplereffekt und andere Phänomene die bei hohen Geschwindigkeiten oder hohen Massen auftreten (klassische Mechanik vs. spezielle Relativitätstheorie)?

Oder erklärt die Behauptung nur ein einziges Fakt wie z.B. die Geräusche die Kühe auf der Weide nachts von sich geben durch die Behauptung einer Entführung der Kühe durch außerirdische? Obwohl es bessere Behauptungen gibt (die Kühe wurden von einem Tier erschreckt) und die Behauptung nichts weiter erklärt (zum Beispiel was andere Tiere auf der Weide nachts angeht und warum diese nicht entführt werden) und die Behauptung selbst bereits Kritik erfahren hat die ignoriert wird? Außerdem macht die Behauptung alles viel komplizierter: Woher kommen die Außerirdischen? Warum entführen sie Kühe? Wie ist das möglich? Solche Behauptungen sind fast immer falsch.

Funktioniert die Welt so, wie es behauptet wird?

Die Welt funktioniert nicht so, dass man per E-Mail mit falschem Namen angesprochen und in sehr schlechtem Englisch aufgefordert wird, innerhalb der nächsten 12 Stunden ein paar tausend Dollar Gebühr zu überweisen, um dann das Millionenerbe eines nicht bekannten, nicht verwandten Menschen antreten zu können.

Man sollte in keiner Situation seinen Verstand ausschalten! Etwas Blind zu glauben ist – besonders wenn die Fragen weiter oben Zweifel aufgeworfen haben – keine Leistung oder Bewundernswert sondern einfach Unsinn. Egal ob es sich dabei um ein „Wundermittel gegen Erkältung“, „Leben auf dem Mars“ oder die „Auferstehung von Toten“ geht. Seid offen für Neues, nicht alles neue ist gleich falsch. Seid aber nicht so offen, dass Euch das Gehirn aus dem Kopf fällt! Nutzt das Lesezeichen!

Keinen Beweis liefern…

…die folgenden Punkte. Denn es handelt sich um klassische Argumentationsfehler, Fehlschlüsse und unzulässige Argumente. Wenn Jemand mit dem Ihr redet sich auf solche Argumente beruft, könnt ihr ziemlich sicher sein, dass es sich um Unsinn handelt.

Fehlerhafte Beweisketten

Wenn eine Ketten von Beweisen oder Argumenten angeführt wird, muss jedes einzelne Kettenglied schlüssig und wahr sein. Versucht jemand direkt zum Ende der Kette zu springen, ist Vorsicht und Zweifel angesagt, oft enthalten solche Ketten eine „schiefe Ebene“, Zirkelschlüsse, ein berufen auf Tradition, und so weiter. Findet man auch nur einen solchen Fehler muss die gesamte Kette überdacht werden.

„Martin Luther hat ein ganzes Buch voll Hass auf Juden geschrieben und sogar aktiv an die Herrschenden seiner Zeit verschickt, damit diese ‚den Juden die Häuser abbrennen‘. Auf Luther gehen die protestantischen Kirchen zurück, seine Schriften bilden die Grundlage. Viele Deutsche sind Mitglieder protestantischer Kirchen, sie bilden einen großen Bevölkerungsteil. Daher sind alle Deutschen Judenhasser!“

Zirkelschlüsse

Einer der häufigsten Fehler, der von den Leuten nicht als solcher erkannt wird ist der Sonderfall einer Fehlerhaften Beweiskette: Sich im Kreis berufen oder ein Argument, daß seine eigene Begründung ist: A ist richtig, weil B das sagt. B hat immer recht weil er A sagt.

„In diesem Buch steht die Wahrheit. Warum ist es die Wahrheit? Weil es in diesem Buch so drin steht“

Autorität einer Quelle

Der Fehler „Ad verecundiam “ ist das berufen auf eine Autorität, die auf dem Feld der Frage keine Experten sind. Dieses Argument ist abgestuft zu betrachten. Ein wissenschaftlicher Experte mag grundlegend ein anderes Wissenschaftsgebiet bewerten können, da er wissenschaftliche Standards kennt. Ein prominenter Schauspieler ohne Abitur sollte in einer wissenschaftlichen Frage nicht mehr Gewicht eingeräumt werden, als jemand unbekanntem aus der Fußgängerzone mit gleichem Schulabschluss (anders, bei einer Frage zu Hollywood), Prominenz allein macht Argumente nicht gewichtiger. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich der „ad hominem“ Angriff, eine Diskreditierung von Argumenten durch das diskreditieren der Person oder Benennung einer unbeliebten Person die das gleiche oder ein ähnliches Argument vertritt.

„1999 aß der britische Thronfolger Prinz Charles verzehrt zusammen mit dem Minister für Wales, A. Michael, demonstrativ Rindfleisch am Knochen, das als Hochrisikomaterial einem Verkaufsverbot unterliegt um zu demonstrieren, dass es sicher ist. Also muss Fleisch am Knochen sicher sein.“

„Mit Dir kann man nicht reden, weil du Bartträger bist. Hitler trug auch einen Bart!“

Argumente wiederholen

Die Strategie „ad nauseam“ sollte einem bewusst sein und darf nicht als Pluspunkt für die Behauptung (oder die Quelle / den Diskussionspartner) gewertet werden. Natürlich darf man ein Argument erneut vortragen, wenn es übergangen oder nicht ausreichend geklärt worden ist, aber das sture wiederholen eines widerlegten Arguments sollte einen stutzig machen.

„Warum beeinflussen die Sterne unser Schicksal so stark?“ … „Wegen der enormen Schwerkraft die sie ausüben!“ … „Aber die ist auf die Entfernung zur Erde viel geringer als… Beispielsweise die Schwerkraft die ein vorbeifahrendes Auto auf den Mensch auswirkt. Wie erklärst du dir das die Sternzeichen den Menschen so beeinflussen?“ … „Das liegt an der Schwerkraft der Sterne, die ist enorm…“ … „Aber das hatten wir doch schon, die ist nachweislich sehr gering. Gibt es denn da noch andere Kräfte?“ … „Ja, aber die Schwerkraft …“.

Argumente laut vortragen

Eine alt bekannte Weisheit, dass Lautstärke (ggf. auch mit rotem Kopf Rumbrüllen und mit den Händen wedeln) keine Argumente ersetzt, es schüchtert bestenfalls den Diskussionspartner ein. Oft wird Lautstärke jedoch nicht bewusst eingesetzt, sondern ist ein Zeichen dafür, dass sehr emotional und irrational diskutiert wird. Das Gegenüber wird keine Sachargumente anbringen und man sollte sich bewusst sein, dass auch eigene Sachargumente nicht ankommen werden.

„Gegen Gene im Essen! Ihr macht mir keine Gene ins Essen!“ … „Aber alle Lebewesen enthalten Gene, meinen sie vielleicht Fremdgene?“ … „Nein! Gene im essen, scheiß Gene! Egal welche! Halts Maul, ich muss die Leute warnen!“.

Faustregel: Wer schreit, lügt.

Angehäufte Anekdoten

Das „Ad populum“ Argument und das „Anhäufen positiver Anektoden“ sind ähnliche Methoden. Das argumentieren über die Massen, zu sagen das „es so sein muss, weil sich so viele Leute nicht irren können“ bietet keinerlei Beleg für eine Aussage. Ähnlich aber nicht sofort zu erkennen kann auch das ansammeln einzelner, positiver Anekdoten keinen Beweis erbringen, wenn man die Fehlschläge nicht zählt. Häufig neigt man dazu, die Fehlschläge und negativen Ergebnisse unbewusst nicht zu zählen, daher sind auch „Bauchentscheidungen“ und „Ich habe da so ein Gefühl“ keine Argumente. Das bewusste nicht zählen ist ein noch deutlicheres Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, besonders wenn die Anzahl der Ereignisse etwa den zu erwartenden zufälligen Ereignissen entspricht.

„Ich weiß einfach, dass meine Chancen dieses Wochenende einen 6er im Lotto zu gewinnen sehr gut stehen, ich habe da so ein Bauchgefühl. Das letzte mal als ich das hatte, habe ich bei den Rubbellosen auch 5€ gewonnen.“
„Ich habe gesehen, dass 3 Patienten mit Homöopathie von Krebs geheilt wurden. Bei wie vielen tausend wir es vergeblich versucht haben ist unerheblich, diese drei wurden geheilt, Homöopathie heilt Krebs und wer heilt hat Recht!“
„Über 1 Milliarde Menschen weltweit sind Tabakraucher, es kann also gar nicht schädlich sein! “

Das etwas jetzt so ist

Der bekannte „naturalistische Fehlschluss“, „Humesches Prinzip“ (Sein-Sollen-Dichotomie) und „argumentum ad antiquitatem“ bedeutet, dass vom Sein oder von Tradition auf das Sollen geschlossen wird. Trotz feiner Unterschiede zwischen drei können wir sie für unseren Bedarf in Einem abhandeln. Kein Argument für die Richtigkeit liefert, dass etwas „schon immer so ist“, ähnlich wie bei Angehäuften Anekdoten „Ad populum“. Umgekehrt gilt natürlich auch nicht, dass etwas „neu ist“ einen Beweis für die Richtigkeit liefert.

„Wir beschneiden seit Jahrhunderten unsere Kinder, daher muss es erlaubt sein.“
„Kernkraft ist neu und innovativ, deswegen muss sie Zukunft haben“

Wer A sagt muss auch B sagen (schiefe Ebene)

Eine klassische Argumentationsstrategie, dass „A zu B führt, B zu C führt und wir C auf keinen Fall zulassen dürfen, daher auch A nicht zulassen dürfen“ ohne eine direkte Aussage über A und C zu treffen. Diese Argumentationsweise an sich ist nicht falsch, wird jedoch häufig benutzt ohne Beweise für die einzelnen Schritte anzuführen und um die Idee A mit einem möglichst bizarren, zu verneinenden C zu verknüpfen. Siehe auch: fehlerhafte Beweiskette.

„Wenn wir todkranken Patienten die Entscheidung über Ihren eigenen Tod erlauben, erlauben wir damit aktive Sterbehilfe. Wenn das töten von Menschen legalisiert wird bricht durch Mord und Totschlag die Gesellschaft zusammen. Daher dürfen wir Patienten keine Entscheidung über ihren Tod erlauben.“

Beweislast verschieben

Derjenige der eine positive Aussage als Argument bringt (das etwas existiert, dass etwas so ist), hat philosophisch wie auch wissenschaftlich die Last, den Beweis für diese Aussage zu führen. Das pochen auf eine Aussage und dem Kritiker die Beweislast in die Schuhe zu schieben ist daher ein klassischer Argumentationsfehler bzw. Immunisierungsstrategie. Wer seine Idee so schützen muss hat so gut wie immer Unrecht.

„Es gibt eine geheime Nazi-Raumbasis auf der anderen Seite der Sonne! Beweis doch das Gegenteil!“

Definitionen verschieben

Eine häufige Ausweichtaktik ist das verschieben von zuvor sehr schwammig oder gar nicht gegebenen Definitionen, oft unter dem Vorwurf (siehe: Ad Hominem) man verstehe einfach nicht, was der Diskussionspartner meine. Die „Diskussionsstrategen“ die sich auf so eine Argumentation berufen haben entweder keine Ahnung was sie selbst reden oder nutzen die Strategie bewusst, um eine Diskussion ohne Argumente zu gewinnen, in dem sie von der eigentlichen Frage ablenken und man sich nur noch um die Definition streitet. Es gilt also: Kritisch sein, klare Definitionen erbitten.
„Strahlenwaffen sind gefährlich und müssen abgeschafft werden, so dass keiner eine bauen kann!“ … „Ich weiß nicht ganz, ob wir es je schaffen werden eine Welt ganz ohne Atombomben zu erreichen. Terroristen könnten eine bauen.“ … „Nein, ich meine keine Atombomben: Strahlenwaffen wie Mikrowellen.“ … „Mikrowellen sind gefährlich aber meines Wissens nicht effektiv? Das Militär forscht seit Jahren daran und es gibt keine funktionsfähigen Mikrowellenkanonen?“ … „Ich meine doch keine Kanone! Man kann Atomwaffen zünden und deren Energie für einen Mikrowellenlaser benutzen wie im ‚Star Wars‘ Programm der USA geplant war!“ … „Aber dann haben wir doch wieder das Problem Atomwaffen nicht mehr aus der Welt schaffen zu können?“ … „Nein, es geht nicht um Atomwaffen, es geht um Strahlenwaffen! Willst du das nicht verstehen?“.
Der Mysteriumsjoker
Ein verbreitetes Fehlargument ist auch die „das verstehen wir noch nicht, dass ist aber so“ Joker-Karte. Es gibt mit Sicherheit Sachverhalte, die sich momentan mit Philosophie und Naturwissenschaft nur unzureichend erklären lassen, dies ist jedoch kein positives Argument für eine andere Erklärung. Oft wird dieser Mysteriumsjoker auch ausgespielt, wenn wir Dinge bereits sehr gut Wissenschaftlich erklären können, aber die Schlussfolgerungen aus der Erklärung nicht akzeptiert wird. Auch die Forderung nach „mehr Beweisen“, wenn die vorliegenden Beweise stichhaltig, vollständig und umfassend sind aber nicht die Idee des Argumentierenden decken fallen in diese Kategorie. Begegnet ihr diesem Joker, könnt ihr getrost aufhören zu zuhören, man wird einen Versuch unternehmen euch blanken Unsinn mit der Begründung das sei die „beste Erklärung“ zu verkaufen. Häufig passiert dies unter Missachtung von „Erklärt die Theorie mehr als andere Theorien“ und mit weiteren Argumentationsfehlern.
„Elvis lebt.“ … „Er ist definitiv tot, es gab eine Obduktion, eine öffentliche Beerdigung, der Leichnam wurde sogar ein mal umgebettet nachdem Fans versucht hatten ihn zu stehlen.“ … „Aber 50 Millionen Fans können sich doch nicht irren? Wie kannst du da sicher sein, dass der King of Rock tod ist?“ … „Es gibt keinen einzigen Beleg für eine Wiederkehr von den Toten, er wurde bei seiner Obduktion in einzelne Organe zerlegt, man hat die Leiche gesehen und bestattet. Aus wissenschaftlich-medizinischer Sicht, ist das unmöglich.“ … „Du kannst doch wissenschaftlich gar nicht erklären, was nach dem Tod passiert. Das ist ein großes Mysterium, der King of Rock lebt!“.

Weiterführendes zum Thema

Leider ist die deutsche Wikipedia zum Thema Fehlschlüsse (bis auf den Bereich „siehe auch“) nicht so toll geraten, daher empfehlen wir die englische Wikipediaseite zum Thema „fallacies“. Über Manipulations und Diskussionsstrategien könnt ihr in umfassenden Werken zum Thema „immer Recht behalten“ oder „Manipulationsstrategien“ weiter lesen und für einige aktuelle Themen wie Globale Erwärmung, Kreationismus, usw. findet ihr viel in unserer Link & Leseliste.

Ein Gedanke zu „Unsinnerkennungshilfe

  1. Beim Lesen ist mir etwas aufgefallen!

    Titel „Argumente laut vortragen“

    Absatz: Merke: Wer schreit, lügt.

    Ich schlage vor, das zu ändern, wegen „post hoc ergo propter hoc“. Klassischer Fehlschluss: denn wer schreit, lügt nicht immer. 🙂

    Mit herzlichem Gruss aus der Schweiz

    Hans Rieder

    PS. Trotzdem sehr interessante und lehrreiche Site. Danke!

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